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Bericht über das Bundesfilmfestival REPORT 2014

Bundesfilmfestival REPORT 2014 in Köln

Viel Freude – und ein bisschen Wehmut

Freudestrahlend nahm Ellen Rudnitzki vom Club Kölner Filmer ihre Goldmedaille entgegen. Damit wurde ihre Reportage „Zwischen Festival und Widerstand Gezi Park Tag 16“ als bester Film des Bundeswettbewerbs REPORT (9. bis 11. Mai 2014) ausgezeichnet. Der Film enthält eine faszinierende Schilderung aus dem von politischen Protesten gegen die Erdogan-Regierung im Sommer 2013 erschütterten Istanbul. Er überzeugte die Jury nicht nur durch seine handwerklich so gut wie perfekte Machart, sondern auch durch den Blickwinkel auf die Ereignisse, den wir durch die übliche Berichterstattung in unseren Medien so nicht kennen. Dass die Preisträgerin obendrein dem Club angehört, der federführend diesen schönen Wettbewerb seit 2009 jedes Jahr ausrichtet, war noch eine hübsche „Zugabe“.

Die Jury unter der Leitung von Jürgen Richarz war durchaus kritisch. Obwohl 42 durchweg gute bis ausgezeichnete Filme über die riesige Leinwand liefen, gab es nur diese eine Goldmedaille. Auch die Zahl der verliehenen Silbermedaillen – neun an der Zahl – blieb überschaubar. 15 Autoren konnten sich über ihre Auszeichnung mit Bronze freuen.

Ein bisschen Wehmut lag in dem mit bis zu 70 Zuschauern sehr gut besuchten Saal im Kölner City-Hostel, denn es war das sechste und zugleich letzte REPORT-Festival in der Domstadt. Vor allem die angespannte Kostensituation, in Verbindung mit der völligen Ignoranz durch örtliche Medien und die offizielle Stadt zwingen immer mehr zur Verlagerung derartiger Festivals – weg von den Großstädten mit ihrem überbordenden Eventangebot hin in kleine Städte, wo solche Festivals noch dankbar wahrgenommen werden, die Bürgermeister zur Eröffnung erscheinen und die Raummieten bezahlbar bleiben.

Unter Applaus wurde das Ausrichterteam verabschiedet, dem außer dem Club Kölner Filmer auch noch Mitglieder der benachbarten Clubs aus Bergisch Gladbach und Leverkusen angehörten. Verdienten Applaus erhielt insbesondere Wolfram Schmachtenberg, der von Anfang an REPORT in Köln organisiert und moderiert hat. Dass das Reportagefilmfestival 2015 zunächst einmal ins benachbarte Jülich ausweichen soll, wurde eher nur beiläufig bekannt. Schade, dass niemand vom BDFA dies z.B. bei einer kleinen netten Übergabezeremonie offiziell mitteilte - so wie es z.B. auch seinerzeit in Freiberg bei der Übergabe von REPORT nach Köln geschah. Stattdessen blieben die "VIP-Ränge" im Saal enttäuschenderweise während des gesamten Festivals leer. Sowohl das so engagiert arbeitende REPORT-Team als auch die Zuschauer hätten sich über eine derartige Geste, verbunden mit einem Dankeschön, sicherlich gefreut.

Bernd Schultze-Willebrand