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Bundesfilmfestival „REPORT“ 2010

Strahlende Gesichter, bei den Gewinnern sogar Tränen in den Augen gab es zum Abschluss des „Festivals der tausend Themen“, wie das Bundesfilmfestival Report seit seinem Umzug nach Köln im Jahre 2009 heißt.

Und natürlich viele zum Schluss erleichterte Organisatoren, die den zahlreichen Filmfreunden aus nah und fern ein wunderschönes Wochenende beschert hatten.

Goldmedaille und Auszeichnung als bester Film des Wettbewerbes gingen unumstritten an den höchst eindrucksvollen Streifen von Barbara und Hartmut Ibsch (Filmclub Teck) „Ich will endlich meine Welt erklären“. Die beiden Autoren porträtieren darin einen Autisten, der sich – dank einer technischen Erfindung – erstmals seit Jahrzehnten der Welt mitteilen kann. Ein Film über einen Behinderten, der nicht bedrückt, sondern froh stimmt!

Weitere Spitzenproduktionen waren zu bewundern, eine Rangfolge dafür zu finden war für die Jury nicht immer leicht. Fußballstimmung pur brachte – selbst ins vielfach ergraute BDFA-Publikum – die Reportage des Kölner Andreas Kranz vom African Cup in Ghana „Black Stars Rising – Ein afrikanisches Sommermärchen“. Auch hier war die Goldmedaille höchst verdient.

Bewundernswert, wie die Kamera Enthusiasmus und Patriotismus der Fans in Ghana dem Zuschauer vermittelte, aber auch deren Empfinden für Fairness und „Sportsgeist“, als sich zum Schluss Enttäuschung breit macht, weil ihr Land vor dem Finale ausschied.

Alle filmischen Höhepunkte aufzuzählen ist gar nicht möglich, erwähnt sei nur noch die dritte Goldmedaille „Eric“: Der Reutlinger Werner Henne begleitet in seinem Film einen Harfenbauer von der anfänglichen Bearbeitung des Rohholzes bis zum ersten Spiel des Kunden auf dem neu geschaffenen Instrument.

Dem zahlreich vertretenen Publikum, das von der Kölner Kulturbürgermeisterin Angela Spizig betont herzlich und kompetent am Samstag Mittag begrüßt worden war, boten sich während der zweieinhalb Tage 41 meist hochkarätige Filme, die von einer sachkundigen Jury ausführlich besprochen und bewertet wurden.

Köln zeigte sich den Besuchern mit dem Besten, was die Stadt zu bieten hat: Dom und Kölsch! Der Dom war am Samstagvormittag aus ungewöhnlicher Perspektive zu besichtigen, nämlich über einen Besuch des Dachstuhls und der Arbeitsplätze der Dombauhütte in luftiger Höhe. Hier kommen eher technisch Interessierte denn Kunstkenner auf ihre Kosten. Und was das Kölsch betrifft: Probiert wurde es beim gemeinsamen Besuch des Brauhauses Päffgen am Abend vorher, ein Ort, wo es noch volkstümlich zugeht: Schmackhaftes Obergäriges, urige Stimmung und ein flott-wortgewandter Köbes.

Alles in allem ein gelungenes Wochenende – den Beteiligten sei dazu Dank gesagt, von der geduldigen und engagierten Jury über Wolfram Schmachtenberg, der sympathisch und gewandt moderierte, bis hin zur Technik und den Helfern im Hintergrund, die alle zum Gelingen dieses schönen Festivals beitrugen.
Bernd Schultze-Willebrand

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Bundesfilmfestival Report des BDFA, zum 2.  mal in Köln

 

Aufgrund des schönen Frühlingswetters sorgt sich der Veranstalter am Freitag mittag, ob überhaupt Jemand den Weg in den Großen Saal findet. Die Sorge ist unberechtigt, denn die Reihen haben sich bis zur ersten Pause schon erfreulich gefüllt. Am Nachmittag des folgenden Tages ist der Saal mit seinen fast 160 Plätzen dann zu etwa 90 % ausgelastet.
Der Veranstaltungsort ist der schöne Große Saal im Kolpinghaus Köln, wie geschaffen für ein größeres Filmfestival.
Die Mannschaft lieferte perfekte Projektion, klaglos werden alle Filmformate geschluckt, und perfekten Service.

Die Kölner Bürgermeisterin Angela Spizig, die uns am Samstag mittag begrüßt und einen Sonderpreis der Stadt Köln mitbringt, kommt aus der Kulturarbeit und fühlt sich besonders dem Film verpflichtet, der ja in Köln eine gute Heimat hat, sowohl der kommerzielle als auch der Amateurfilm. Sie kündigt an, mit den Kölner Amateurfilmern stärker zusammenzuarbeiten.

Wir erleben Reportagen aus Indonesien, den Philippinen, Indien, Kanada, USA, Chile (oder war‘s Peru?),  Grönland, Norwegen, Spanien und Ghana.

Wir begeben uns mit dem Filmer auf die Wanderung, begleiten ihn auf dem Fahrrad oder dem Gospel Train und fahren mit dem schweren „Bike“ zur Motorradmesse.

Wir erleben kulinarische Höhepunkte bei gegrilltem Wildschwein, unter den Eichen, mit norwegischem Ziegenkäse und Flämischen Spezialitäten bei frischen Erdbeeren und Pfirsichen und erfahren dabei, wie das alles veterinäramtlich überwacht wird.

Andere Filme widmen sich der Herstellung von Gegenständen wie einer Sonnenuhr, Harfe, venezianischer Masken, zeitgenössischer Gemälde und tragbarer Kunst aber auch eines neuen Schienenweges.

Dann geht es aber auch an sehr ernste Themen: der Hilfe und Therapie für Kranke, Behinderte und sozial Benachteiligte bis hin zum Fußballspiel für Blinde.

Mitgerissen hat mich die Begeisterung der neuen Fußballnation Ghana im Film 'Black Stars Rising'. 

Besonders beeindruckt haben mich zwei Filme, in denen die Farbe Gelb eine ganz besondere Rolle spielte:  Einmal steht Gelb für die Schwefelbrocken, die äußerst mühsam von Hand aus den giftigen Dämpfen eines Vulkankraters gewonnen und kilometerweit zu Fuß bergauf und bergab getragen werden. Dafür gibt es einen „Hungerlohn“, zumindest für unsere Verhältnisse.
Ein anderes mal steht „Gelb“ für millionenschwere Maschinen, die die bei uns zu teuer gewordene Handarbeit beim Schienenverlegen ersetzen.

Der schönste Film aber wurde nicht im Großen Saal vorgeführt sondern entstand vor den Augen derer, die eine Führung über die Dächer des Doms gebucht hatten. Zu den recht originellen Erläuterungen eines Steinmetzen entfaltete sich das herrliches Panorama der Domstadt und des Umlandes, das von keinem Wölkchen oder auch nur Dunst getrübt wurde.

Zu Recht trägt dieser Wettbewerb den Untertitel: FESTIVAL DER TAUSEND THEMEN.
Bei der diesjährigen Vielfalt bitte ich um Entschuldigung, wenn ich nur einige Themen streifen konnte. Man sollte sich das Festival wirklich persönlich anschauen, es lohnt sich.

Dank an den Veranstalter für dieses schöne Wochenende und vor allem auch an die Jury, die mir sowohl die Stärken als auch Schwächen aller Filme aufgezeigt hat, wir Filmer nehmen da jedesmal eine ganze Menge Anregungen für die eigene Arbeit mit nach Hause. Man kann immer noch hinzulernen!
Rolf Kuchelka